Es war einmal...

18 Narren, ohne Namen, ohne Häs und ohne Maske – ein unerträglicher Zustand für einen richtigen Narren! Also setzten sie sich im Sommer 2004 zusammen und beschlossen, diese Situation schnellstmöglich zu ändern. „Aber wie?“ fragten sich die Narren, „Und wo?“. Einer sagte: „Unser Häs soll etwas ganz Besonderes sein!“, ein anderer meinte, „Wir brauchen einen interessanten historischen Hintergrund!“ und ein Dritter meinte „Auf keinen Fall wollen wir langweilige Narren sein, wir wollen doch auch die Jugend ansprechen!“. Die Narren waren sich einig, dass dies schwierige Fragen sind. Und so beschlossen sie, nach jemanden Ausschau zu halten, der ihnen helfen konnte.

 

Einer der Narren hatte die Idee, als Sitz der Narren die Stadt Brackenheim zu wählen, dort gab es noch keinen Narrenverein und man hoffte, in der größten Stadt im Zabergäu mit über 15.000 Einwohnern, noch andere Narren zu finden. Also beschlossen sie, beim Stadtoberhaupt nachzufragen, was er denn von einer Narrenzunft in der größten Weinbaugemeinde Württembergs hält und ob er nicht den Narren helfen könnte. Am 14.10.2004 trafen sich die Narren auf dem Rathaus mit Herrn Bürgermeister Rolf Kieser und dem Leiter des Schul- und Kulturamtes, Herrn Armbruster. Das sehr konstruktive Gespräch ermutigte die Narren, ihren neuen Verein in Brackenheim zu gründen.

 

Und so trafen sich alle 18 Narren am 25.10.2004 in Haberschlacht in der Jägerstube und gründeten einstimmig die 1. Fasnetzunft Brackenheim. Dabei bestimmten sie Kai Glaser zum Zunftmeister, Michael Bareither zum stellv. Zunftmeister und Andrea Busch zur Schatzmeisterin. Des Weiteren wählten Sie den restlichen Vorstand und gaben sich ihre Satzung.

 

Damit war zwar die Frage des „wo“ beantwortet und die Narren hatten ihre Obernarren gewählt, dennoch waren noch viele Fragen offen. Die Narren baten daher Bürgermeister Kieser, ihnen zu gestatten, im Stadtarchiv zu stöbern. Hierüber tagte der Verwaltungsausschuss der Stadt Brackenheim und so machten sich die Narren am 18.11.2004 erneut zum Rathaus auf. Nun, die Narren stießen bei so mancher Stadträtinnen und so manchem Stadtrat auf Skepsis, erhielten aber dennoch die Genehmigung, sich im Archiv der Stadt, in Zusammenarbeit mit der Stadtarchivarin, kundig zu machen. Die Worte eines Stadtrates „Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass wir etwas in unserem Archiv haben, aber schauen wir mal was rauskommt“ beflügelte die Narren in ihrem Wunsch, einen historischen Hintergrund zu finden.

 

Durch einen Wink des Schicksals und der großmütigen Unterstützung der Stadt Brackenheim mit seinem Oberhaupt Rolf Kieser lernten die Narren so die Stadtarchivarin von Brackenheim, Frau Dr. Isolde Döbele-Carlesso kennen.

 

Eine kleine Schar der Narren fanden sich dann am 16.02.2005 im Wohnzimmer von Frau Dr. Isolde Döbele-Carlesso ein. In gemütlicher Runde lauschten die Narren gespannt, was die Stadtarchivarin Döbele-Carlesso über das historische Brackenheim wusste. Sie berichtete, dass im Oberamt Brackenheim in früheren Zeiten der Brauch der Weiberzeche gang und gebe war, bis die Obrigkeit diesen abschaffen wollte. Sie erzählte, dass daraufhin 4 Ochsenbacher Frauen in den Wald gingen und die stärkste Eiche fällten, um ihren Brauch zu erhalten. Ja, Frau Dr. Döbele-Carlesso zeigte den Narren sogar alte Aufschriebe, was die Weiber in damaliger Zeit an Brot und Wein verköstigten. Kurzum, die Narren ließen sich von der Begeisterung von der Stadtarchivarin anstecken und beschlossen, das Thema der Weiberzeche umzusetzen.

 

Aber: Leichter gesagt, als getan! Wie sahen denn die Weiber damals aus? Was trugen die Männer? Den armen Narren stellten sich nun neue Fragen und sie dachten angestrengt darüber nach. Der Zunftmeister Kai Glaser meinte schließlich: „Wisst ihr was? Ich frage meinen Freund Hartmut Weiß von den Wobachspatzen aus Bietigheim! Hartmut ist seit 40 Jahren ein Narr (Hier staunten die frisch gebackenen Narren nicht schlecht!) Und wenn uns jemand helfen kann, dann er!“ Und wiederum hatten die Narren Glück. Der erfahrene Narr Hartmut Weiß half ihnen gern und wälzte viele Bücher mit den Narren, in denen der neuste Schrei der damaligen Mode zu sehen war und half den Narren dabei, ein detailgetreues Häs in Schnitt, Stoff und Farbe zu entwickeln, welches die Bauern im 18. Jahrhundert sonntags zu tragen pflegten.

 

Nun zu der Maske. „Wie soll diese aussehen?“, fragten sich die Narren. „Verschmitzt“, „Nicht alle gleich!“, „Den Bauersmann stelle ich mir griesgrämig vor“, riefen die Narren durcheinander. Erneut machte sich eine kleine Abordnung der Narren auf und trugen dem Schnitzmeister Egon Heinzelmann aus Trochtelfingen auf der schwäbischen Alb ihr Wünsche vor. Der staunte natürlich nicht schlecht, versprach aber, den Narren so gut wie möglich zu helfen. Beim nächsten Besuch hatte er bereits Tonmodelle gefertigt und zeigte sie den Narren. Die Maske der Männerfigur, des Waldstrafblechers gefiel den Narren sofort, bei der Maske des Goißbocks wurde das eine Horn etwas vergrößert. Aber die Masken der Zechweiber? Der Schnitzmeister Heinzelmann hatte zwei verschiedene Tonentwürfe gefertigt. Das hätte er besser nicht machen sollen, denn die Narren sind sich keineswegs immer einig. Bei der einen Maske gefiel die Mimik mit der herausgestreckten Zunge, dafür hatte die andere eine so schöne „Himmelfahrtsnase“. Nein, die Narren konnten sich einfach nicht entscheiden. Was nun? Nun, die Weiber sahen damals ja auch nicht alle gleich aus... Und so entschlossen sich die Narren, beide Masken zu nehmen.

 

Ja und dann trafen sich die Narren jede Woche an zwei Abenden zum gemeinsamen Nähen und erstellten an vielen langen Abenden unter der Leitung des Häswartes Beate Machaczek die Häser, hatten viel Spaß dabei und lernten sich besser kennen.

 

Ja, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

 

(Wie? Das könnt ihr auf den folgenden Seiten sehen oder ihr schaut euch einfach unsere Bilder an!!!)