Die Ochsenbacher Chronik enthält das ausführlichste Berichtswesen über die Weiberzeche. Das älteste Zeugnis der Ochsenbacher Weiberzeche stammt aus dem Jahre 1660. Bis zum Jahre 1701 wurde die Zeche als Trunk der Weiber bezeichnet. An diesem Feste erhielten die Weiber eine halbe Maß Wein und 2 Semmeln. Es waren nur verheiratete Frauen und Witwen zugelassen. Die jungen Eheweiber, die in diesem Jahr geheiratet haben mussten ihren Einstand zahlen. Im Jahre 1798 wollte der Gemeinderat die Weiberzeche abschaffen, worauf am 13. März 1798 vier Weiber mit Äxten in das „Commun-Eichwäldle“ gingen und eine der stärksten Eichen hieben. Darauf hin erhielten die Weiber wieder ihre Weiberzeche. Jedoch mussten die Männer der 4 Weiber Waldstrafe bezahlen. Diese Geschichte setzen wir mit 4 verschiedene Figuren um:

 

  • ·         2 unterschiedliche Frauenfiguren – die „Zechweiber“
  • ·         1 Männerfigur – die „Waldstrafblecher“
  • ·         1 Einzelfigur – der „Goißbock“

 

Der Geißbock, der erzählungsgemäß früher zu Ehren der römischen Göttin Bona Dea am Sonntag nach Ostern geopfert wurde, erlebte in der Ochsenbacher Weiberzeche eine Renaissance, denn hier wurde zu dieser Zechfeier auch ein Bock geschlachtet. Daher ist bei uns der Bock auch nur eine Einzelfigur.

 

Die Maske des Goißbocks ist bewusst nicht wirklichkeitsgetreu dargestellt, sondern eher etwas überzogen und lustig. So ist ein Horn kürzer, als das andere.

Bei Fasnet-Umzügen wird der Bock von 2 Zechweibern an Hanfseilen geführt, dazu dient das handgefertigte Haltegeschirr aus Leder. Da der Bock natürlich nicht geschlachtet werden will, versucht er ständig auszubüchsen – das belebt das Umzugsgeschehen.

 

 

 

Die Holzmaske des Waldstrafblechers zeigt den derben, grimmig dreinschauenden Bauern, der über sein Weib erbost ist. Das so genannte Maskentuch, das beim Mann die zeitgemäß längeren Haare darstellt, besteht aus dem Schweifhaar vom Ross. Seine sonntägliche Kleidung besteht aus der damals üblichen ¾-Hose, Hemd und Weste aus Leinen und einer Lodenjacke, deren Verschluss aus Perlmuttknöpfen und Lederschlaufe besteht. Handschuhe und Halstuch sind notwendig, da bei Hästrägern keine Haut sichtbar sein soll. Der Filzhut gehört zur Sonntagstracht und dient als Schutz vor Sonne und Regen. Die Wollstrümpfe und Holzschuhe runden das Bild ab, Lederschuhe konnte sich damals nicht jeder leisten. Apropos leisten: am Hosenbund hat er natürlich seinen Geldbeutel befestigt - für die Waldstrafe. Da er damals sein Weib sicherlich bestraft hatte, trägt er dafür einen Farrenschwanz mit Saublasen. Das ist zugleich auch unser Tribut an die Fastnacht. Vor der Fastenzeit wurde nochmals gut gegessen und extra dafür geschlachtet, wofür oftmals Farrenschwanz und/oder Saublase symbolisch in der Fasnet zu sehen sind.

 

Die Zechweiber sind schelmisch dreinblickende, etwas verschlagen wirkende Weiber, die ja schließlich die Fortsetzung ihrer Weiberzeche durchgefochten haben. Obwohl es auf den ersten Blick nur 2 unterschiedliche Holzmasken sind, so bemerkt man bei genauerer Betrachtung, dass jede Maske ein Unikat ist und sich in Falten und Grübchen unterscheidet. Das Maskentuch ist das zeitgemäße Kopftuch. Über der groben Leinenbluse liegt das wärmende Schultertuch und unter dem dunkel gehaltenen Leinenrock ist selbstverständlich die ¾-lange, mit Spitze verzierte Unterhose. Der Schurz durfte auch Sonntags nicht fehlen, allerdings war er dann meist festlich bestickt. Unsere Stickerei zeigt ein Füllhorn, das Symbol der Fruchtbarkeitsgöttin Bona Dea, welches mit dem Brackenheimer Wappen versehen ist. Üblicherweise quillt ein Füllhorn über von Früchten. Bei uns purzeln, neben den obligatorischen Weintrauben, die Wappen der Gemeinden heraus, die im Oberamt Brackenheim nachweislich die Weiberzeche hatten, nämlich die Wappen von Ochsenbach, Meimsheim, Botenheim, Cleebronn, Spielberg, Häfnerhaslach und Kleingartach. Nordheim und Eibensbach fehlen leider, da uns die Verwendung des Wappens nicht bewilligt wurde. Das Handgerät der Zechweiber ist ein Beil, mit dem die Eiche gefällt wurde, bei uns allerdings nur symbolisch aus Holz. Der Weidenkorb beinhaltet Semmeln, die bei der Weiberzeche gereicht wurden.

 

In einigen Gemeinden wurde bei der Weiberzeche auch Gericht gehalten. Wir halten wohl nicht Gericht ab, aber führen die dabei auferlegte Strafe aus. Sie besteht aus einer kurzen Fahrt auf einer original alten Holzschubkarre, zu der wir Zuschauer aufladen, die diesen Spaß mitmachen.

 

Das Publikum war sich einig, dass das Thema der Weiberzeche gut umgesetzt wurde und wir uns sehen lassen können. So klang der festliche Abend bei einem kalten Buffett und Brackenheimer Wein gemütlich aus.